Mein Zufall wollte
es und ich lernte vor gut einem Jahr Sonja kennen. Dabei war ich gerade auf der
Suche nach einer Möglichkeit, nochmals für längere Zeit im Ausland zu helfen.
Da „mein“ Wunschprojekt aber gerade keine freien Plätze hatte und ich kurz vorher
Sonjas Dokumentarfilme gesehen habe, meldete ich mich spontan bei ihr. Wie es
das Schicksal wollte, sagte mir Sonja sofort zu und mein nächstes Abenteuer
Ghana begann mit der Vorbereitung.
Nach einigen
E-Mails und Telefonaten hatte ich so viele Sachspenden zusammen, dass ich diese
gar nicht mehr alle in den zusätzlichen Koffer passten. Eine andere Lösung
musste her. Zum Glück plante Sonja gerade ihr nächster Container und die Sachen
konnten an einem Wochenende nach Köln gebracht werden. Dabei lernte ich direkt
auch Sonja und die weiteren Reisenden kennen.
Voller Vorfreude,
Nervosität und unglaublich großer Motivation ging die Reise am 9. November los
nach Accra. Mit ihm Gepäck ganz viel Verbandsmaterial und sonstige Hilfsmittel
für die Kliniken und natürlich Schweizer Schokolade ;-) die darf auf keiner
Reise fehlen.
Nach einer kurzen
Nacht im Hotel ging am anderen Morgen die Reise nach Have los. Michael der
Fahrer brachte mich durch die holprigen und staubigen Strassen nach Have. Dort
war die Freude riesig, endlich Sonja, Elvira, Marina und natürlich die Hebammen
und ihre Familien kennenzulernen. Ich wurde von allen sehr nett empfangen und
fühlte mich auf Anhieb sehr wohl.
Nach kurzer Aklimatisierungszeit
ging meine Arbeit in der Klinik auch gleich am Montag los.
Auch dort wurde ich
von allen Pflegenden freundlich in Empfang genommen und durfte direkt in der
Klinik mitarbeiten.
Meine Arbeit war
vielseitig und spannend. So durfte ich Vitalzeichen messen am Empfang und diese
in die Krankenakte eintragen, bei den Konsultationen mithelfen (die werden
durch die Pflegenden gemacht, da es keinen Arzt gibt), administrative Arbeiten
erledigen wie das Eintragen der Patienten in das Behandlungsbuch, Mithilfe bei
der Betreuung von Notfallpatienten und das Behandeln und Verbinden von Wunden.
Von Zeit zu Zeit schenkten die Pflegenden mir mehr Vertrauen und ich durfte
mich dann mehrheitlich selbständig um die Wundpatienten kümmern. Dies ist als
Wundexpertin natürlich auch mein Fachgebiet und als eine gewisse
Freundschaftsbasis mit den Pflegenden aufgebaut war, nahmen sie sogar Tipps und
Tricks von mir an. Sehr schnell wurde ich Teil des Teams und fühlte mich bei
der Arbeit sehr wohl und akzeptiert. Mein Rat war dann sogar an Wochenenden
oder bei Notfällen in der Nacht gefragt – das schätzte ich sehr und
schliesslich wollte ich ja auch genauso arbeiten wie eine ghanaische Pflegende.
So war auch klar, dass ich gerne ein ghanaisches „Nursing Dress“ haben wollte.
Gloria unsere Stammschneiderin machte mir meinen Wunsch war und schneiderte mir
eine grüne Uniform auf Mass zu. Sie passte perfekt und alle in der Klinik
hatten riesige Freude, als sich mich damit sahen. Auch von Patienten bekam ich
positive Rückmeldungen.
Da ich in der
Klinik nicht voll ausgelastet war und zeitweise keine Wundpatienten in die
Klinik kamen, schmiedete ich einen Plan. Ich zog an einem Wochenende mit meinem
einheimischen Kollegen Happy durchs Dorf und suchte nach Wundpatienten. Schnell
waren einige gefunden. Zu Beginn waren viele skeptisch, weil sie grosse
Rechnungsbeträge fürchteten, als wir aber erklären konnten, dass ich das
unentgeltlich mache, waren alle sehr dankbar für das Angebot. So kam es, dass
ich mehrmals die Woche mit meinem blauen Rucksack voll modernem Verbandsmaterial
die Patienten zu Hause aufsuchte und die Wunden versorgte. Dies sprach sich
schnell herum und weitere Patienten folgten. Diese Aufgabe war für mich sehr
erfüllend, da sich viele die Kosten für die Behandlung in der Klinik oder den
Transport dahin nicht leisten konnten. Teilweise wurde ich von Bashiru, einem
„Community Health Worker“ begleitet und vor allem bezüglich der medikamentösen
Therapie beraten. So konnten wir einige Patienten auch mit Schmerzmittel und
Antibiotika versorgen, damit die Wunden schneller heilen konnten. Bei vielen
zeigte sich sehr schnell eine Verbesserung, auch wenn viele Wunden bis zu
meiner Abreise noch nicht abgeheilt waren.
 |
Die Wunden sehen schon von Weitem schrecklich aus!
Ihr seid sehr tapfer gewesen! |
Neben den
Sachspenden durfte ich auch sehr viele Geldspenden aus meiner Heimat
entgegennehmen. Nachdem ich all die Hebammen aus dem Workshop von Sonja in
ihren Kliniken besucht habe, war mir auch klar, wofür ich diese einsetzten
möchte. In den Kliniken fehlte es an vielen wichtigen Ausstattungen. So kam
eine große Wunschliste mit großen und kleinen Materialwünschen zusammen. So
beispielsweise Waagen, Blutdruckmessgeräte, Thermometer, Sterilisatoren, Beatmungsbeutel,
Matratzen für vorhandene Betten etc. Gemeinsam mit Patience und Michael fuhren
wir an einem Tag gemeinsam nach Accra, um dort in den verschiedenen
Medizinal-Shops all das Material für die Klinken zu kaufen. Nach einem
anstrengenden Tag hatten wir schon ganz viel erreicht und mit Hilfe von
Patience hatte ich einige Zeit später tatsächlich alles Material zusammen und
es konnte an die Verteilung gehen.
Dies wurde ganz offiziell mit dem
Gesundheitsdirektor des Bezirks gemacht, damit die Spenden auch in die
entsprechenden Bestandsbücher der Kliniken eingeschrieben wurden. Es war schön
zu sehen, wie die Pflegenden sich über das Material freuten, auch wenn sich die
Freude bei den meisten verhältnismäßig in Grenzen gehalten hat. Eine Klinik
ganz in der Nähe von Have durften wir sogar mit 5 Holzbänken und zwei
Klinikbetten ausstatten. Da war die Veränderung der Klinik deutlich zu sehen
und die Einweihungsfeier mit den Leuten vom Dorf war jeden Aufwand wert.
Endlich haben die Patienten einen anständigen Wartebereich.
Und die Frauen vor
und nach der Geburt müssen nicht mehr am Boden liegen:



Natürlich hatte die
Arbeit in der Klinik und Draussen bei den Wundpatienten nicht nur schöne
Seiten. Es fehlte teilweise an grundlegendem Material und Medikamenten und
vielfach spielte das Geld eine große Rolle. So konnten sich Patienten oft
Behandlungen nicht leisten oder es wurde in Notfallsituationen zuerst gewartet,
bis der zu erwartende Betrag bar bei der Pflege vorlag. Das war sehr schwierig
mitanzusehen wenn man weiß, in welchem Überfluss wir leben und welche
Möglichkeiten wir hier haben. Oft können sich die Patienten auch weitere
Abklärungen oder Behandlungen oder den Transport dahin nicht leisten. Auch in
Notfallsituationen gibt es keine Ambulanz. Die Patienten haben entweder Glück
und sie finden jemanden der sie mit dem Auto mitnimmt oder sie fahren per
TroTro in die nächste Klinik. Für unsere Verhältnisse unvorstellbar. Gerade in
der Wundbehandlung habe ich Wunden gesehen, da ich hier noch nie zu Gesicht
bekommen habe. Da kam sogar ich an meine Grenzen.
Neben der Arbeit
hatte ich natürlich auch etwas Freizeit die ich vorwiegend mit den Kindern von
Sister Sarah – Deborah, Desmond und Derrick verbrachte. Bereits nach kurzer
Zeit habe ich die Kinder sehr ins Herz geschlossen und wir verbrachten
praktisch jeden Abend gemeinsam. Das war sehr schön, da ich ja eine lange Zeit
alleine in Have war. Wir spielten Spiele, schauten Filme, unternahmen gemeinsam
Ausflüge und kochten sogar gemeinsam. So beispielsweise das Schweizer
Käsefondue an Weihnachten ;-)
Jeden Sonntag besuchten wir gemeinsam die Sonntagsschule, das war jedes Mal das
Highlight der Woche und entwickelte sich zu einem festen Ritual. Auch mit
Sister Sarah und Mama Annie verbrachte ich viel Zeit draußen und teilweise bei
der Arbeit. Am Abend oder Wochenende begleitete ich die beiden Hebammen gerne
bei Geburten, um mein Wissen in der Geburtshilfe zu erweitern. Das war sehr
spannend und ich konnte viel Lernen und gerade in Notfallsituationen waren sie
um eine helfende Hand sehr froh.
Alle wurden wie
eine zweite Familie für mich und sorgten sich sehr um mich. Von Mama Annie
wurde ich in dieser Zeit vor allem kulinarisch verwöhnt, das war köstlich und
mit Abstand das beste Essen das ich je in Ghana hatte....
Natürlich kamen
auch Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Region mit anderen Freiwilligen aus
dem Dorf oder Happy nicht zu kurz.
 |
| Mit Ehemann Thomas |
 |
| Desmond hilft beim Taschetragen |
 |
| Derrick kocht KÄSEFONDUE |
 |
| Hoch über Have |
Die Zeit in Ghana
ging sehr sehr schnell vorbei und Mitte März hieß es Abschied nehmen in Have.
Mit Sicherheit war es einer meiner schwersten Abschiede. So hat man sich doch
in 4 Monaten an so vieles gewöhnt und sich richtig im fremden Land eingelebt.
Auch meine Patienten im Dorf ließen mich nur ungern ziehen, auch wenn deren
Versorgung durch Bashiru weiterhin gesichert ist. Ich habe ihn mit Material
ausgestattet und er besucht vorerst meine Patienten weiterhin zu Hause.
Erneut blieb ein
großes Stück von meinem Herz in Ghana und eines ist sicher: es war bestimmt
nicht mein letzter Aufenthalt.
 |
Sarah. Jasmin, Annie, Marie, Niklas
|
Auch wenn ich nicht
mehr im Lande bin, erhalte ich regelmäßig Nachrichten von Ghana! Es ist schön
zu sehen, dass die Leute auch nach einigen Monaten noch an mich zurückdenken. Es
sind wahre Freundschaften entstanden, die ich nun unbedingt von zu Hause
weiterpflegen möchte.
Liebe Sonja, vielen
herzlichen Dank für dein Vertrauen und die Möglichkeit, dass ich Teil deines
unbeschreiblich tollen Projekts sein durfte. Es war mir eine Ehre für Meeting
Bismarck in Have tätig zu sein und ich bin unheimlich dankbar für all die
wertvollen Erfahrungen, Begegnungen und für all das, was ich in dieser Zeit
lernen durfte! Mach weiter so!
 |
| Mit Debbie |
Liebe Jasmin,
vielen Dank für Deinen Bericht und die schönen Fotos!
Uns bist Du Eine Ehre!
Tausend Dank!!
Bis hoffentlich bald :)